44. Rheinmarathon

11. Oktober 2015, Text Steffi Denkert und Inga Döhring, Fotos via Kirstin Wingler

Ordentlicher Wellengang auf dem Rhein!

Der Ruderclub Germania Düsseldorf führte am 3. Oktober zum 44. Mal den inzwischen berühmt-berüchtigten Rheinmarathon im Rudern von Leverkusen nach Düsseldorf aus. 178 Mannschaften aus 95 Vereinen hatten gemeldet. Die Düsseldorfer selbst sagen: „Wenn es keiner mehr glaubt, wenn du nie wieder sagst, dann bist Du beim Düsseldorfer Marathonrudern angekommen. Denn… wenn der Schmerz geht, kommt der Stolz.“

 

In den vergangenen Jahren haben schon einige RVR Mitglieder an der Regatta, die in verschiedenen Gig-Klassen ausgeschrieben wird, teilgenommen. In diesem Jahr „quälte“ sich unser Mitglied Kirstin Wingler über die 42,8 km auf dem Rhein. Steffi Denkert, die sich in diesem Jahr verstärkt um die Mitgliedergewinnung innerhalb der Ruderabteilung und sportliche Entwicklung von Neumitgliedern gekümmert hat, harkte mal genau nach, wie es denn überhaupt dazu kam.

Mit dem Schiffsverkehr, den Wellen der Strömung und den eigenen Wehwehchen haben Ruderer und Steuerleute ordentlich zu tun.

Steffi: Kirstin, erzähle uns von deinem ruderischen Werdegang (Anfang, Stationen, wie zum RVR gekommen)…

Schon als Kleinkind saß ich öfters im Ruderboot – damals als „Kielschwein“ im Familienboot: Meine Eltern haben gerudert, und meine 2 Jahre ältere Schwester hat „gesteuert“.

Mit 10 Jahren war ich endlich groß genug, um selber mit zu rudern, was ich beim RTHC Bayer Leverkusen lernte. Nach ein paar Jahren „Kinderrudern“ auf dem Rhein, wurde mir das Rudern auf Breitensportbasis zu langweilig. Daher probierte ich weniger erfolgreich ein paar Ballsportarten aus, bevor ich beim Mittel- und Langstreckenlauf als Leistungssportlerin landete. Irgendwann mochten meine Knie die Lauferei nicht mehr und ich bekam wieder Lust aufs Rudern. Leider wohnte ich eine längere Zeit nicht in der Nähe eines Rudervereins. So ruderte ich viele Jahre leider nur ab und zu wenn ich in Leverkusen zu Besuch war. Im Jahr 2010 zog ich nach Maastricht, wo ich beim dortigen Ruderverein Mitglied wurde und wieder regelmäßig rudern konnte. Anfang 2014 verschlug mich der Beruf dann nach Castrop-Rauxel.

Steffi: Mit wem bist du den Marathon gerudert, wie entstand die Idee?

Ich habe schon öfter den Rhein-Marathon als Helferin am Start beim RTHC Bayer Leverkusen miterlebt; ich bin aber vorher nie mit gerudert. Drei Wochen vor dem diesjährigen Marathon erzählte mir meine Cousine aus Lehrte, die schon öfters den Marathon mitgerudert war, dass ihnen dieses Jahr eine Frau in der Mannschaft fehlt. Da entstand ganz spontan die Idee, dass ich im Damenboot des Rudervereins für das ‚Große Freie‘ Lehrte/Sehnde e.V. mit rudere.

Steffi: Wie habt ihr trainiert?

Tja, wir haben aufgrund der kurzen Vorlaufphase und der Entfernung zwischen Castrop-Rauxel und Lehrte vor dem Marathon nie zusammen trainieren könnne. Die Lehrter unserer Mannschaft haben natürlich fleißig zusammen gerudert, aber halt ohne mich. Leider war ich die drei Wochen vor dem Marathon nicht mehr im Boot. Denn auf Grund der Dunkelheit konnte ich nach der Arbeit nicht mehr rudern, und die Wochenenden vor dem Marathon waren auch schon anders verplant. So bereitete ich mich im Fitnessstudio vor, wo ich neben meinem gewöhnlichen Ausdauertraining auf dem Fahrradergo noch ein Paar Einheiten auf dem Ruderergo einbaute. Kurzum, wir vertrauten gegenseitig darauf, dass wir alle rudern können.

Steffi: Erzähle uns vom Rennen/ Renntag, du hast im Bug gesessen, Bedingungen, Gegner, Gedanken im Ziel.

Im nächsten Jahr geht es dann in die 45. Runde!

Den Rest der Mannschaft, die ich bis auf meine Cousine nicht kannte, lernte ich am Vorabend kennen. Zusammen präparierten wir das Boot mit Abdeckungen, Wellenbrechern und Pumpe. Zum Glück konnten wir in der Wohnung meiner Mutter (die den Marathon auch mitruderte) übernachten. Das ersparte uns die Nacht in der überfüllten Turnhalle des Bootshauses vom RTHC Bayer Leverkusen. Wir starteten am sonnigen Renntag mit der Nummer 15 um ca. 9:20 Uhr. Aufgrund meines geringen Gewichtes saß ich auf Eins. Schon nach wenigen Schlägen fanden wir harmonisch zusammen, so als hätten wir schon oft miteinander gerudert. Zum Glück hatten wir auch eine super Steuerfrau, die uns souverän um Schiffen herum und durch Wellen steuerte. So fühlte ich mich die ganze Strecke sehr sicher im Boot. Ich bekam auch nur 2 x eine Dusche über den Rücken, womit man beim Rhein-Marathon auf Eins sitzend rechnen muss. Aufgrund des sonnigen, milden Wetters und der kräftigen Ruderei wurde mir trotz der Duschen auch nicht kalt. Des Öfteren hoben die Wellen die Bootsspitze mit mir darin sitzend in die Lüfte, was mir viel Spaß bereitete. Anspornend war es auch, dass wir fünf Boote überholten, aber von keinem anderen Boot überholt wurden. Die Kräfte haben wir uns alle gut eingeteilt, so dass wir bis zum Ende gut vorankamen. Auf den letzten Metern (s. Fotos; keine Angst, es sieht nur so aus als würden wir in einem U-Boot sitzen) kamen uns viele Schiffe entgegen, so dass wir auf dem Wellen auf und abtanzten und nicht mehr voll durchziehen konnten. Eventuell hat uns das die paar Sekunden zum zweiten Platz gekostet, aber das gehört beim Rhein-Marathon dazu. Im Ziel waren wir alle erschossen und auch glücklich, dass es so gut gelaufen ist. Nach dem Abriggern und Verladen des Bootes genossen wir dann bei Sonnenschein den Tag in Düsseldorf mit vielen anderen Ruderinnen und Ruderern.

Ganz links: Kirstin Wingler.

Steffi:Würdest du nochmal starten, bzw. hast du Lust auch andere Wettkämpfe zu bestreiten?

Sehr gerne möchte ich nochmals beim Rheinmarathon mitrudern. Toll wäre es, wenn wir ein reines RV-Rauxel Damenboot für den Rheinmarathon zusammen bekommen. Auf andere Breitensport-Langstrecken-Regatten hätte ich natürlich auch Lust.

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