Was ein Ruderer in seinem Leben gemacht haben sollte

13. Oktober 2011, Text von Henning Nierhauve, Fotos Rheinmarathon-Truppe

Der aufgemotzte Bug des Gig-Doppelvierers "Sparkasse"

Der Rheinmarathon von Leverkusen nach Düsseldorf – Am 08.10.war es soweit. Unsere Crew aus dem  Ruderverein Rauxel machte sich auf den Weg nach Leverkusen, wo sich der Start des traditionellen Düsseldorfer Rheinmarathons befand. Genau wie die anderen 186 gemeldeten Bootsbesatzugen aus Deutschland, Irland Schweden, Belgien und Großbritannien, wollten wir, „Kalle“ Soba, Lucas Teschlade, Henrik Wünsch, Schlagmann Henning Nierhauve und Steuermann Christian Meese den Altvater Rhein auf der 42,8 km langen Strecke bezwingen.

Die Crew beim Aufriggern im Startbereich in Leverkusen

Zum 40. Jubiläum dieser Veranstaltung bewahrheiteten sich leider die schlechten Wetterprognosen. Regenschauer und stets kräftiger Gegenwind sollten den Ruderern noch zu schaffen machen. Besonders für uns Kanalruderer, die diese Bedingungen auf dem Rhein noch nicht kannten, sollte dieser Marathon recht schwierig werden.

Bevor es überhaupt Richtung Rhein gehen konnte, mussten bereits einige Wochen zuvor diverse Vorbereitungen getroffen werden. Da der Rhein für seine großen und nicht gerade ungefährlichen Wellen bekannt ist, war unser Team gehalten, die „Sparkasse“, unseren Gig-Vierer, rheintauglich zu „aufzumotzen“. Bug und Heck des Bootes mussten vor brechenden Wellen gesichert werden, sonst hätten wir als U-Boot weiterfahren können. Neben der rheintauglichen Bootstechnik sollte auch der eigene Körper fit für dieses Rennen gemacht werden. Ausgedehnte Trainingsfahrten zu unseren Nachbarvereinen RV Datteln und RV Waltrop standen nun auf dem Trainingsplan. Eine Vorbereitung, die vor allem uns Rheindebütanten zugute kommen sollte.

Isotonische Unterstützung kann nie schaden...

Endlich war es dann soweit. Unser Team mit der Startnummer 174 wurde aufgerufen, sein Boot an den Steg zu bringen. Gleich sollte sich zeigen, ob unsere „Bastelstunden“ und das „Kilometerfressen“ geholfen haben. Vor allem unser blitzblanker Wellenbrecher aus Aluminium vorne auf dem Bug sorgte bei anderen Teilnehmern für Aufsehen. Wir waren wohl die ersten mit so einem Deckel. Andere Vereine zogen es vor, die Boote mit Konstruktionen aus Plastikplanen und Holzlatten zu versehen.

14:35 Uhr. Der Start für uns erfolgte mit ca. einer Stunde Verspätung. Die Boote wurden, wie bei vielen Langstreckenrennen üblich, im Abstand von 90 Sekunden gestartet.

Nach 150m ein Schreck! „Ruder Halt! Starke Wellen!“ Und was für welche. Mit der Strömung rudernd, dazu Wind aus entgegengesetzter Richtung und noch der Wellenschlag der Rheinschifffahrt. Dies war eine Mischung, die es in sich hatte. Wir mussten kurz abwarten, bis sich das Wasser beruhigt hatte.

Kurz vor dem Start: Henning Nierhauve, Henrik Wünsch, Lucas teschlade, Kalle Soba und Steuerman Christian Meese (von links nach rechts)

Nach dem ersten Schreck hatte man das Gefühl, die ersten Kilometer vergingen wie im Flug. Allerdings wich dieses gute Gefühl immer weiter der langsam aufkommenden Ermüdung. Der Gegenwind und die daraus resultierenden Wellen forderten langsam ihren Tribut. Hatte man hinter einer Kurve einen relativ ruhigen Abschnitt erwischt, musste man hier wieder auf Tempo kommen und Zeit gut machen. Erholung oder große Pausen gab es nicht! Nach etwa der Streckenhälfte begann bei dem einen oder anderen die Gesäßmuskulatur schmerzhaft zu zwicken. Dies Zwicken konnte jedoch wieder „totgerudert“ werden. Mit steigender Kilometerzahl ließ die Konzentration ebenfalls nach. Dies war der Zeitpunkt, an dem unser Steuermann besonders gefordert wurde. Schifffahrt im Blick halten, auf Wellen und Strömung achten, steuern und die Mannschaft anfeuern und ermahnen, sich auf die saubere Technik zu konzentrieren. Eine nicht ganz einfache Aufgabe, die Christian Meese aber gut meisterte.

Von den Kommandos unseres Steuermanns angetrieben erhöhten wir auf den letzten acht Kilometern leicht die Schlagzahl und konzentrierten uns auf technisch sauberes Rudern, was durch die fortgeschrittene Erschöpfung nicht gerade einfach war. Die letzten drei Kilometer waren die härtesten des gesamten Rennens. Es galt, noch einmal die Schlagzahl zu erhöhen und lange kräftige Schläge ins Wasser zu bringen. Da ertönte das Zielsignal. Endlich durch! Jetzt schnell anlegen, Boot aus dem Wasser und danach rasch unter die heiße Dusche. Doch so schnell, wie wir uns das vorstellten, ging es dann doch nicht. Plötzlich merkte man wieder das Zwicken im Gesäß und auch anderswo.

In einer Zeit von 02:43:19 erreichte das Boot des Ruderverein Rauxel das Ziel. Platz 12 von 26 in unserer Bootsklasse und in der Gesamtwertung Platz 69 von 186 gemeldeten Booten. Eine gute Bilanz für uns Debütanten.

Die erfolgreiche Teilnahme am Rheinmarathon feierten wir nach unserer Ankunft am heimischen Verein. Und je länger wir den Tag noch einmal Revue passieren ließen, desto mehr kam unsere Gruppe zu der Überzeugung: Es war anstrengend, aber auch irgendwie schön. Eben etwas, was ein Ruderer in seinem Leben getan haben muss! Die Teilnahme am Rheinmarathon!

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